Für ungewohnte Klänge sorgt Odessa-Projekt beim Auftritt bei Kultur am Dobel
von Hannes Kuhnert
Freudenstadt. Ungewohnte Klänge gab es bei Kultur am Dobel zu hören. Schluchzende Geigen, quirlige Klarinetten-Läufe, mystische Rhythmen und mehrstimmiger Chorgesang. Odessa-Projekt war zu Gast und wusste das Publikum schnell zu gewinnen.
Odessa-Projekt sind sechs Musiker aus Karlsruhe und dem Bergischen Land, die sich seit Jahren der Musik aus Osteuropa verschrieben haben; die Klezmer, die jüdische Musik zu Hochzeiten und Festen, ebenso pflegen wie Musik aus dem Kulturkreis der Roma oder Streicher-Sätze aus Rumänien. Den Ton geben Geige, Klarinette oder Akkordeon an, mit Kontrabass, Gitarre und einer Vielzahl von Rhythmus-Instrumenten gibt das einen überraschend runden, satten und vollen Sound.
Odessa-Projekt spielt alte Lieder und Volksweisen, verharrt jedoch nicht in musikalischer Brauchtumpflege, sondern weiß die Traditionals aufzumischen und mit modernen, mitunter jazzigen Elementen aufzupeppen. Dabei bleibt den einzelnen Musikern viel eigener Spielraum zur Entfaltung.
Das Ganze wissen die sechs Musiker ebenso gut wie unaufdringlich zu präsentieren. Ihre Lieder und ihre Musik erzählen Geschichten von dem schönen Johnny auf dem Markt oder dem Schmuckhändler, von tanzenden und verliebten Töchtern, und - wen wundert's - immer wieder von rauschenden Hochzeiten, dem historischen Ursprung der KLezmer-Musik.
Das Konzert ist - ähnlich wie bei den fahrenden Musikern - eine Reise durch die Länder Osteuropas, durch Mazedonien und Serbien, Rumänien und Russland bis nach Bulgarien und in die Ukraine. Erstaunlich ist die Bandbreite der Musiker, die auf fetzige, immer schneller werdende Tänze ein melancholisch geschluchztes Lied setzen können, auf ausgelassene Klarinetten-Wirbel ein sattes rumänisches Streichtrio für Geigen und Kontrabass oder ein todtrauriges Wiegenlied der Zigeuner. Angelika Metzler mit Saxophon, Klarinetten, Flöte und Gesang wusste dabei in ihrer unbekümmerten Virtuosität ebenso zu überzeugen wie Susanne Heinemann, die mit ihrer ansteckenden Fröhlichkeit immer wieder ein neues und unbekanntes Rhythmus-Instrument aus ihrem Fundus zauberte.
Nach großem Beifall war die Zugabe so ungewöhnlich wie das ganze Gastspiel: Die Musiker spielten zum Tanz auf, und viele Zuschauer drehten sich im Reigen bei Volkstänzen vom Balkan.
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