Im Kommunikationscenter Schlupkothen gastiert das Odessa-Projekt - die Musik der sechs Mitwirkenden steht für Sehnsucht, Seele und Melancholie
von R. Mairose-Gundermann
Wülfrath. Odessa ist bekanntlich eine Millionen-Stadt am Schwarzen Meer. Mit einer lebhaften Geschichte, unterschiedlichsten, wechselnden Volksstämmen, Herrschern und Regimen. Mit der ukrainischen Metropole hatte das "Odessa-Projekt", das sich jetzt zum zweiten Mal in der "Kathedrale" des Kommunikationscenters Schlupkothen präsentierte, nur sehr entfernt zu tun. "Odessa steht für die Sehnsucht, für osteuropäische Musik, für Klezmer," sagt Daniel Marsch, der in der Musikgruppe gekonnt Akkordeon und Geige spielt und außerdem singt.
Ihre Wurzeln haben die sechs semi-professionellen Musiker der 2001 gegründeten Gruppe "Odessa-Projekt" im Bergischen Land und im Badischen. Im Alter sind alle über 50 und haben, so Marsch, nebenher ganz normale Berufe. Sie sind angetrieben von Freude an der Musik und von der Begeisterung für Rhythmus im Wechsel mit viel Seele und Melancholie.
Professionelle Beherrschung
Sie bestechen durch professionelle Beherrschung immer wieder anderer Instrumente. Sie reißen mit - auch ohne konkrete Verbindung zu Odessa. "Odessa-Projekt" nahm die Veranstaltungsbesucher auf eine musikalische Reise mit in die Karpaten, in die Ukraine, nach Mazedonien, Bulgarien, zu den Roma nach Rumänien, zu Gypsy, Tsigane und Manouche in Frankreich.
Als Angelika Metzler - versiert in Flöte, Saxophon, Klarinette, Gesang - zum Schluss in die Rolle "des schönsten Zigeunerburschen im Dorf" schlüpfte, Geigen, Gitarre, Klarinette, Bass, Persussion um Tempo und fetzige Klänge wetteiferten, gab es viel Beifall und "Zugabe"-Rufe.
Darauf setzten die Musiker als Bravour-Stück das jiddische Lied, "Bei mir biste scheen" oben drauf. Auf dem Programm standen flotte Tänze, voller Dynamik und Lebensfreude, wehmütige Liebeslieder unterstützt von wabernder Klarinette, monotone Klänge, die abrupt von wilden Rhythmen abgelöst wurden. Das schmachtende Lied "Lisa, Lisa ..." wurde von Ukulele und Summen begleitet, bevor auch hier wieder Temperament vorherrschte. Eine Hymne an die schöne Stadt Mostar gipfelte in eine Geschichte in den schönen aber nicht Gentleman-liken Schmuckverkäufer Mustafa.
Westdeutsche Zeitung - Wuppertal - vom 06.10.2009 (R. Mairose-Gundermann)
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