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Sehnsucht nach Odessa, der Perle am Meer

HOFKONZERT. Osteuropäisches Liedgut fand im Atrium starken Beifall. Rhythmischer Witz und Reichtum der Klangfarben

„Nächstes Jahr in Odessa, der Perle am Schwarzmeer“ mag das sehnsuchtsvolle Ziel vieler Wandermusiker Osteuropas geheißen haben. Und für die 220 Zuhörer beim siebten Hofkonzert der Jubiläumsspielzeit mit der sechsköpfigen Gruppe „Odessa-Projekt“ blieb nur ein Wunsch offen: „übernächstes Jahr wieder in Rheinhausen.“

Das Gastspiel hatte auch wirklich alles zu bieten: rhythmischen Witz mit reichhaltigen Klopfmustern über Viererstandardtakte hinaus, Farbenreichtum der Instrumente von Geige. Akkordeon über Klarinette, Saxofon bis Gitarre und Kontrabass. Die Improvisationen beschränkten sich auf Themennähe, schufen eine bezaubernde Atmosphäre, in der osteuropäisches Meeresrauschen und Waldesruh dicht nebeneinander lagen.

Drei Tage tanzen – Tochter ist unter der Haube!

Die volksnahen Lieder erzählten vom Schwiegervater, der versprach, drei Tage lang durchzutanzen, weil er seine Tochter endlich unter die Haube gebracht hatte und auch vom Widerstand gegen osmanische und deutsche Besatzung. Ein transsylvanisches Streichduo mit zwei Geigen und Kontrabass wechselte mit einer mazedonischen Tanzweise, in der lauthals gesungen wurde: „Lass uns das Pferd verkaufen, lass uns das Haus verkaufen, lass uns mit dem Geld tanzen gehen!“ Diese übermütige Lebensfreude steckte die Zuhörer an.

Die krumme musikalische Reise nach Odessa führte über Galizien, wo die chassidischen Juden zu Hause waren. Dort wurde ein Mann besungen, der seine Stiefel versetzte, um mit der Kutsche die Welt zu bereisen. Warum? Natürlich, um seine Liebste zu sehen. Das harte Schicksal junger Frauen, die unter der Fuchtel der Mutter leiden, beschrieb das Lied von Jovana, die in einem Fluss der Balkanberge Wäsche wusch und von ihrem Geliebten träumte. Das Verbot der Mutter erlaubte ihr nicht, ihn zu treffen.

Das Sextett „Odessa-Projekt“ bestreitet seit 2001 jährlich rund 15 Auftritte. Daniel Marsch (Akkordeon, Geige),Angelika (Flöte, Saxofon, Klarinette, Gesang) und Bene Metzler (Gitarre, Bourouki), Joachim (Kontrabass, Gitarre) und Susanne Heinemann (Percussion, Gesang) und Stefanie Hölzle (Geige, Kalrinette, Gesang) offenbarten eine eindrucksvolle Ensembleleistung, in der jedem Musiker Freiraum zur Gestaltung blieb.

Neue Rheinische Zeitung - vom 06.08.2008 (CARL KORTE)

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