DINSLAKEN. Wie klingt es, wenn Musiker aus dem Westen (Remscheid) auf Musiker aus dem Süden (Karlsruhe) treffen? Osteuropäisch, was sonst. Klarinetten verschmelzen zu bittersüßem Klezmer, Frauenstimmen singen in den mystischen Harmonien der Bulgarischen Chormusik. Saiten und Trommelfelle schwingen in rasanten Rhythmen. Odessa-Projekt nennen sich die sechs Musikerinnen und Musiker, die der Musik von den Karpaten bis zum Schwarzen Meer verblüffend authentisch Leben einhauchen. Ihre ausgelassenen Tänze und melancholischen Balladen erfüllen den Betsaal Bruch. Es war ihr zweites Konzert nach 2004 in der ev. Gemeinde, wiederum war die Reaktion überwältigend.
Folklore aus Osteuropa. Ein Schmelztiegel der Kulturen. Archaisch mutet der Gesang der bulgarischen Frauenchöre an. Das helle, mädchenhafte Timbre mit der Resonanz der ganzen Bruststimme erhält durch die Setzung der Stimmen in Melodien und Bordune besondere Fülle. Manchmal nähern sich die Linien bis auf eine Stufe der Tonleiter an, ein Klang, als träfen zwei Sphären aufeinander, eine geheimnisvolle Musik. Doch voller Schwung, voller Lebensfreude.
Musik aus Transsilvanien, vom Balkan. Für westeuropäische Musiker eine Herausforderung. Denn seit dem Mittelalter haben sie ihre Rhythmen zwischen Drei- und Viervierteltakt gefunden. die zwei Tänze aus Bulgarien sind immer einen Schlag voraus. erhalten ihre gefühlte Beschleunigung aus der Verkürzung. Wild, entfesselt, sich überschlagend. Das Odessa-Projekt lädt zum ausgelassenen Feiern ein.
Die Brücke zwischen west- und osteuropäischer Musik wurde in den jiddischen Liedern und dem Klezmer geschlagen. Man versteh den unglücklichen "Gaznsinger". der Straßensänger, der nicht länger den Clown für die anderen spielen will, das Jiddische ist eng mit dem Deutschen verwandt. Elf Millionen Menschen sprachen zu Beginn des 20. Jahrhunderts diese Sprache, die Hälfte von ihnen wurde von den Nationalsozialisten ermordet. Auch daran wollte die evangelische Kirchengemeinde mit diesem zeitnah zum 9, November gelegenen Konzert erinnern. In diesem Zeitraum sind weitere mitreißende Lieder des Abends zu erwähnen. Die Musik der Roma, einfühlsam und temperamentvoll und - wo angemessen - mit Humor präsentiert.
Mit "Johnny" aus Frankreich und dem längst internationalen "Bei mir bist du schön" endete die musikalische Reise.
Neue Rheinische Zeitung - vom 14.11.2006(bes)
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