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Wild, wilder, Klezmer: - Sonderzug nach Odessa

DINSLAKEN Sie sahen aus wie wir, sie sprachen wie wir, aber sie spielten Musik aus einer scheinbar ganz anderen Welt. Wahrscheinlich war gerade aus diesem Grund der Betsaal Bruch bis in die letzte Reihe mit Zuschauern gefüllt, die auf die wilden Töne des Odessa Projekts aus Remscheid und Karlsruhe gesetzt hatten.
„Wild Songs from Transsylvania, Bulgaria, from Russian Gvpsies and Jews“ standen auf dem Programm der sechs Projektmusiker, die nach Feierabend Botschafter der osteuropäischen Musik sind. Wild, ausgelassen und fröhlich spielten sie bei Kerzenschein Klezmerklänge aus Weißrussland, dem Balkan und der Ukraine. Von Romantik keine Spur.
Ruhig saß es da, das Publikum, innerlich war es jedoch in Tanzlaune. Denn ,,der Zug nach Odessa ist endlich abgefahren“, erklärte Akkordeonspieler Daniel Marsch die ungewohnte Stimmung, die mit Geige, Perkussion, Klarinette, Bouzouki und Kontrabass erzeugt wurde. ,.Europa ist erweitert, Europa ist modern, Europa kann mehr als man denkt“, das war wohl auch die Botschaft der Lieder, die mit den typisch slawisch gefärbten Stimmen, Geige und Gitarre zum träumen einluden. ,,Die Kunst der Klezmermusik ist der Wechsel zwischen Moll und Dur in einem Lied, also der Wechsel zwischen fröhlich und traurig.“ Genau das ist es, was Querflötistin Angie Metzler so fasziniert.
Ergreifend wirkte die gesungene Geschichte von Daniel Marsch über den einsamen, verwahrlosten Gassensinger. Bei soviel Stimmung geriet seine Fähigkeit am Akkordeon sowie Geige fast in den Hintergrund. Eine gelungene musikalische Reise durch das neue Osteuropa, die fast nebenbei die fröhliche Lebensphilosophie der religiösen Minderheiten vermittelte.
,,Wenn man bedenkt, dass Vorgänger Pastor Mayer einmal richtige Probleme bekam, als er im Unterricht der Konfirmanden sagte, dass Juden auch Menschen sind“, kommentierte Pfarrer Karl-Heinz Tackenberg den Wandel und die heutige Bedeutung der Klezmermusik.

Rheinische Post - vom 9.11.2004- (von Bastian Kischewitz)

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